Nachrichten aus Forschung, Technologie und Entwicklung
Der Informationsdienst "Wissenschaft - Wirtschaft - Politik" (WWP) berichtet kontinuierlich über interessante Entwicklungen an der Schnittstelle zwischen Forschung, Technologie, Entwicklung und Markt. WWP ermöglicht damit, was Politiker und Wissenschaftler immer wieder fordern: den Blick über den Tellerrand. Wenn Sie nicht nur Ihre eigene Disziplin im Blick haben, sondern auch links und rechts des Weges schauen wollen: Mit WWP sind Sie dabei. Ob Medizin und Technik sich zu Medizintechnik verbinden, Biologie und Ingenieurwissenschaften zu Biosensorik, Informationstechnik und Pädagogik zu E-Learning, Werkstoffwissenschaften und Umwelt zu Umwelttechnik, oder ob es darum geht neue Moleküle zu designen, Infrastruktur für Verkehr zu verbessern, die Sonnenenergie für die Dritte Welt zu nutzen, oder Geothermie an den Markt zu bringen: WWP informiert Sie, jede Woche aktuell. Hinzu kommen Hinweise auf wichtige Wissenschaftspreise und Stipendien. Testweise gibt es WWP einmal frei - als PDF-Datei.  
Klicken Sie hier auf Anforderung. Die aktuellen Themen der Ausgabe 26_2012 (25. Juni):

INFORMATIONSTECHNIK: Lichtwellen im Kohlenstoff-Netz fangen

Eine neue Studie eines Teams um den Physiker Dr. Fritz Keilmann vom Center for Nanoscience (CeNS) der Universität München zeigt, dass ein zweidimensionales Gitter aus Kohlenstoff-Atomen (Graphen) sogar Licht gefangen nehmen kann ...

MEDIZIN: Fettsäuren vermehren blutbildende Stammzellen

Die Transplantation blutbildender Stammzellen des Knochenmarks ist zwar eine bewährte klinische Methode, doch hängt ihr Erfolg wesentlich davon ab, ob es gelingt, genügend Spenderzellen zu gewinnen. Omega-6-Fettsäuren könnten künftig dazu beitragen, die Zellen in Kultur stärker zu vermehren ...

Blutspenden gegen Bluthochdruck?

In einer neu veröffentlichten Studie konnte ein experimenteller Aderlass den Blutdruck um durchschnittlich 16 mmHg senken. Dies ist ein großer Effekt. Nun wird in einer größeren Studie an der Charité in Berlin untersucht, ob das regelmäßige Blutspenden ein wirksames Therapieverfahren bei Bluthochdruck sein könnte ...

Frontotemporale Demenz: Fehlenden Link gefunden

Forscher um Prof. Dr. Dieter Edbauer vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (München) finden erstmals einen Link zwischen dem Protein FUS (Fused in sarcoma) und dem Protein Tau ...

ROBOTIK: Merkmale einzelner Pflanzen vermessen

Wissenschaftler um Prof. Dr. Arno Ruckelshausen aus der Fakultät Ingenieurwissenschaften und Informatik der Hochschule Osnabrück haben "BoniRob" entwickelt. Der autonome Feldroboter soll die Arbeit der Pflanzenzüchter erleichtern ...

KLIMA: am Puls der Feuchtgebiete

Wissenschaftler um Dr. Tobias Landmann, Lehrstuhl für Fernerkundung, Institut für Geographie und Geologie der Universität Würzburg, stellen jetzt eine neue Methode vor, mit der sich die Dynamik von Feuchtgebieten erstmals messen lässt ...

ENERGIE: "Smart Library" soll Energie einsparen

Die Universitätsbibliothek Hildesheim erwartet nach einem Re-Design Energieeinsparungen bis zu 45 Prozent. Dazu ist jetzt ein Pilotprojekt gestartet: Künftig wird das komplette Energiemanagement - von Beleuchtung, über Klimatisierung bis zu den Heizungen - "intelligent" gesteuert ...

UMWELT: Entnahmeentgelte machen auf knappes Gut aufmerksam

Das neue Wasserentnahmeentgelt in Rheinland-Pfalz fügt sich sinnvoll in die Nachhaltigkeits- und Klimaanpassungsstrategie des Landes ein und ist auch finanzpolitisch ein richtiger Schritt. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ Leipzig) ...

Sind Nano-Pestizide Chance oder Risiko?

Risiken und Chancen von Nano-Pestiziden für die menschliche Gesundheit und die Umwelt sind noch immer eine wissenschaftliche "Terra incognita". Melanie Kah und Thilo Hofmann vom Department für Umweltgeowissenschaften an der Universität Wien führten deshalb eine umfassende Analyse zu dieser Frage durch ...

SOFTWARE: Computer "denkt" semantisch

Um Rechnern beizubringen, dass etwa bei einem Hochwasser ein "sinkender Wasserstand" die gleiche Bedeutung hat wie die Aussage, der Pegel habe "seinen Scheitelpunkt überschritten", haben Informatiker des Ubiquitous Knowledge Processing (UKP) Lab an der TU Darmstadt um Prof. Dr. Iryna Gurevych eine Software entwickelt und diese mit Hilfe eines maschinellen Lernverfahrens trainiert ...

STIFTUNGEN: gute Partnerschaft - mit Verbesserungspotenzial

Fünf große deutsche Stiftungen und der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft haben erstmalig in einer breit angelegten Studie ihre Projektpartner zu verschiedenen Bereichen der Stiftungsarbeit befragt ...

KOMMENTAR: Wie transparent sind wir eigentlich?

Mein Smartphone weiß, wo ich bin. Meine Kreditkartenfirma auch. Mein Mobilfunk-Provider zeichnet Zeit und Ort meiner Telefonate auf, an der Supermarktkasse werden Produkte drahtlos erfasst, während sie noch im Einkaufswagen liegen. Wo führt das alles hin? Eine Studie der TA-SWISS, des Schweizer Zentrums für Technologiefolgenabschätzung, gibt Auskunft. Sie entstand unter Mitwirkung der Schweizer Empa.

Immer mehr Alltagshandlungen hinterlassen Datenspuren, die darüber Auskunft geben, wo wir uns aufhalten und mit wem wir in Verbindung stehen. Ob wir mobil telefonieren, auf das Internet zugreifen, von einer Videokamera erfasst werden, ein Foto auf eine Internetplattform hochladen, mit einem Chip eine Tür öffnen oder bargeldlos bezahlen: Fast immer entstehen dabei Daten, die sich zu Bewegungsprofilen zusammenfügen lassen und Rückschlüsse auf unsere Lebenssituation erlauben. Neben der Satellitenortung durch GPS gibt es heute mehr als ein Dutzend Technologien, die indirekt die Ortung von Personen zulassen. Und mit der Einführung neuer Internet-Protokolle weiß künftig mein Hauslieferant, wie es um den Inhalt meines Kühlschranks bestellt ist. Doch mit der Daten-Ausbreitung und -Verarbeitung gehen sowohl Chancen als auch Risiken für die Gesellschaft einher. Wer kann, wer darf unter welchen Bedingungen Ortungsdaten erfassen, speichern, verarbeiten, weitergeben oder löschen? Welche Maßnahmen können Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und der Gesetzgeber ergreifen, um dem Missbrauch von Ortungsdaten vorzubeugen? Mit der interdisziplinären Studie "Lokalisiert und identifiziert. Wie Ortungstechnologien unser Leben verändern" will TA-SWISS die Öffentlichkeit sowie Entscheidungsträger in Politik und Verwaltung für die Problematik sensibilisieren. Laut Lorenz Hilty von der Empa-Abteilung "Technologie und Gesellschaft", Projektleiter der Studie, ermittelt ein GPS-Empfänger, etwa in einem Smartphone, die Position des Benutzers auf rund zehn Meter genau. Das GSM-Mobilfunknetz schafft eine Genauigkeit bis ca. 100 Meter. Wer per Wireless LAN einen Computer einloggt, wird auf einen Meter genau erfasst; ein Internetzugang per Festnetz liefert Daten bis hin zu Straße und Hausnummer des Benutzers. Weniger heikel ist das Auslesen von RFID-Chips aus Einkaufswagen - das funktioniert nur im Nahbereich, etwa im engen Durchgang neben der Supermarktkasse. Die politische Durchsetzung besserer Datenschutz-Standards im internationalen Raum zum Schutz der Pri-vatsphäre ist daher das Gebot der Stunde. Eine weitere Maßnahme wären zertifizierte und transparente Softwareproduktem mit Datenschutz als Qualitätsmerkmal. Eine gesetzlich verordnete, eingeschränkte Aufbewahrungsdauer der Ortungsdaten muss hinzukommen. Es ist höchste Zeit zu handeln!  

Copyright © Ulrich Schmitz, Wissenschaftsjournalist, Bonn