MOBILE GERÄTE: Erzähl’ mir ’was vom Produkt!

Am Institut für Pervasive Computing der ETH Zürich ist eine Technologie entwickelt worden, mit deren Hilfe handelsübliche Fotohandys den Barcode von Produkten "lesen" können. In einem Pilotprojekt liefert SINFOS die benötigten Daten. Endverbraucher erhalten damit weiterführende Produktinformationen wie Allergie- oder Verträglichkeitshinweise direkt am Verkaufsort. Die Sinfos GmbH betreibt das ursprünglich von GS1 Germany entwickelte Portal für Artikelstammdaten. Industrie und Handel rationalisieren ihren Warenverkehr, indem sie ihre Artikelstammdaten nicht bilateral, sondern multilateral über den zentralen Pool von Sinfos abgleichen. Und so funktioniert’s: Kunden fotografieren den Barcode des betreffenden Produktes mit ihrem Handy, woraufhin die von der ETH Zürich entwickelte Barcode-Erkennungssoftware das Bild analysiert und die EAN-Nummer ermittelt. Die Handy-Software ruft dann die relevanten Artikelstammdaten aus einer Datenbank in Echtzeit via GPRS ab. Dem Benutzer werden diese Produktinformation schließlich in geeigneter Weise auf dem Mobiltelefon präsentiert. Die Daten für das Pilotprojekt stammen aus dem Sinfos-Artikelstammdatenpool. Als eine Einsatzmöglichkeit wurde der sogenannte Allergieassistent implementiert. Tel. 0221-770-1224, Fax –1205, E-Mail: sschaefer@pironet-ndh.com - Internet: http://people.inf.ethz.ch/adelmanr/batoo

SPRACHE: mit dem Chinesen plaudern

Wissenschaftler des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Saarbrücken und der beteiligten Partner haben in der Saarländischen Landesvertretung in Berlin letzte Woche eine neue Klasse mehrsprachiger mobiler Informationsdienste für die Olympischen Spiele präsentiert: Touristen und Sportbesucher sollen 2008 in Peking davon profitieren und bei der Verständigung mit Einheimischen helfen. Die Software ist elektronischer Sprachführer und Übersetzungsprogramm, aber zugleich auch ein vernetztes Informationssystem, das den Besuchern hilft, sich in den Straßen, Tempeln und Einkaufszentren der Riesenmetropole Peking zurechtzufinden. Das Programm wurde bereits durch Touristen aus mehreren Ländern erfolgreich in einem Feldversuch vor Ort getestet. Die Tester bekamen einen Taschencomputer mit dem System und sollten sich dann typischen touristischen "Herausforderungen" stellen. Sie waren begeistert. Ohne ein Wort Chinesisch zu sprechen, konnten sie dem Taxifahrer Anweisungen geben, nach Sehenswürdigkeiten suchen, Essen bestellen und nach dem Weg fragen. Weil das System satellitengesteuert "weiß", wo sich der Benutzer befindet, kann es seine Auskünfte auf den Standort ausrichten. Auch in Notfällen, in denen das Fehlen der Sprachkenntnisse besonders kritisch ist, sorgt die clevere Software verlässlich für sichere Hilfe. Die Testnutzer lobten besonders, dass man weder Handbücher noch Gewöhnungszeit braucht, um das System bedienen zu können. Zudem machte ihnen die Benutzung sogar großen Spaß. Besonders bei der Auswahl von Speisen und Getränken im Restaurant klickten sie sich lange und mit viel Vergnügen durch die Bildergalerien und detaillierten Schilderungen der Gerichte. Nicht minder begeistert als die Tester waren die chinesischen Gesprächspartner. Die Software läuft auf Taschencomputern (PDAs), intelligenten Mobiltelefonen (z.B. MDA Pro), Laptops und PCs. Entwickelt wurde die innovative Software im Vorhaben COMPASS 2008, einem deutsch-chinesischen Forschungsprojekt für die nächsten Olympischen Spiele. Auf der deutschen Seite wird das Projekt vom DFKI koordiniert. Partner sind die Deutsche Telekom AG und das Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik (ISST) in Dortmund. Tel. 0681-302-5282, E-Mail: uszkoreit@dfki.de

MEDIEN: im Kino künftig digital gucken

Von der Kamera bis zur Projektion präsentieren Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen (IIS Erlangen) die komplette digitale Kinokette auf der International Broadcast Convention (IBC) in Amsterdam. Die Entwickler der Fraunhofer-Allianz Digital Cinema stellen in Zusammenarbeit mit dem Filmgerätehersteller ARRI Cine Technik die ARRI D20, eine digitale Filmstil-Kamera, vor. Sie ermöglicht den ersten Schritt in die digitale Produktion. „Die Kamera hat eine gute Auflösung, naturgetreue Farbwiedergabe und eine variable Bildaufzeichnungsrate, die vor allem bei Zeitrafferaufnahmen wichtig ist“, erläutert Hans Bloß, Leiter der Fraunhofer-Allianz Digital Cinema. Die D20 hat eine ähnliche Tiefenschärfe wie herkömmliche Kameras. Das ermöglicht den typischen Filmlook. Der eingesetzte CMOS-Sensor (CMOS = Complementary metal oxide semiconductor) hat sogar die gleichen Bildabmessungen wie der 35-Millimeter-Film. Der Vorteil: Die Kameraleute können die hochwertigen Objektive konventioneller Kameras weiter nutzen. Der Sensor hat eine Auflösung von sechs Megapixeln. Die digitalen Filmaufnahmen werden auf einem handlichen Speicher aufgezeichnet: Die „Megacine“ kann bewegte Bilder im neuen Digital Cinema Format (DC), in High Definition (HD) oder Standard Definition (SD) aufnehmen. Die Speicher-Kapazität beträgt ein Terabyte, das heißt es können bis zu 45 Minuten in unkomprimierter DC-Qualität aufgenommen werden. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie IDMT setzen zudem die Wellenfeldsynthese ein, um jeden Kinoplatz optimal zu beschallen. Das System Iosono® schafft einen perfekten und natürlichen Raumeindruck. Eine preisgünstigere Alternative für die Wiedergabe stellen Forscher des Berliner Heinrich-Hertz-Instituts (HHI) auf der IBC vor: Statt eines teuren Einzel-Projektors werden mehrere preiswerte Wiedergabegeräte eingesetzt. „Damit der Kinobesucher nicht merkt, dass mehrere Projektoren im Einsatz sind, müssen die Wiedergabegeräte absolut synchron laufen. Außerdem dürfen keine Nahtstellen zu sehen sein“, beschreibt Dr. Ralf Schäfer die technischen Herausforderungen an das Multiprojektorensystem. Auf der IBC werden außerdem erste Konzepte vorgestellt, wie der Standard zur Bildkomprimierung JPEG2000 in Speicher- und Postproduktionssysteme integriert werden kann. In dem Projekt arbeiten Forscher des IIS und des Fraunhofer-Instituts für Nachrichtentechnik, Heinrich Hertz-Institut, eng mit neun europäischen Firmen zusammen. Termin: 8. bis 12. September, Tel. 09131-776-563, E-Mail nur über die Homepage: http://www.iis.fraunhofer.de

WISSEN: den Index maschinenlesbar machen

Das Forschungsteam Wissensmanagement des Instituts für Angewandte Informatik und Formale Beschreibungsverfahren (AIFB) der Universität Karlsruhe hat die Software Semantic MediaWiki weiterentwickelt: Die jungen Forscher Denny Vrandecic und Markus Krötzsch machen die Inhalte von Websites, die mit MediaWiki geschrieben sind, zum Beispiel die freie Web-Enzyklopädie Wikipedia, für Maschinen besser auswertbar. Ihr Konzept zur besseren Erschließung der Inhalte geht allerdings nur auf, wenn die Wiki-Autoren aktiv mitarbeiten. Die Karlsruher Forscher setzen auf eine Kombination aus sozialer und technischer Lösung: Sie hoffen, dass sich auf der Basis ihrer Software eine Art kollektive Indexierung der Wiki-Artikel durch die Autoren entwickelt. Semantic MediaWiki ist ein einfach zu bedienendes Werkzeug, das auf leistungsstarken semantischen Wissensmanagement-Technologien aufbaut. Die Autoren können mit dem Werkzeug die Querverweise, die sie in ihrem Text als Weiterleitung zu Hintergrundinformationen angeben, typisieren, also kurz erläutern, sowie Zahlenangaben und Fakten im Text als Attribute kennzeichnen. Bei dem Eintrag zu "Ägypten" steht dann zum Beispiel der typisierte Link "ist Land von Afrika", ein Attribut könnte "Bevölkerung 76.000.000" sein. Das Spannende an der neuen Technologie ist die Möglichkeit zur automatischen Zusammenführung von Informationen, die in den verschiedenen Einträgen verteilt sind. Durch die festgelegten Beziehungen zwischen den Links enthält die automatisch erzeugte Liste immer die gleichen Daten, von welcher Seite aus man sie auch abruft. Die von den Autoren erzeugten, typisierten Links werden in einer Datenbank als Bezugsgruppen abgelegt; die gekennzeichneten Attribute als feststehende Werte gespeichert. Das versetzt Computer in die Lage, automatisch sinnvolle Antworten auf komplexere Anfragen zu geben; etwa eine Liste zu erzeugen, in der alle Länder von Afrika aufgeführt sind. Nun testen die Karlsruher Forscher, ob ihr Programm auch dem gewaltigen Volumen von Wikipedia gewachsen ist. Die Wikimedia Foundation Inc., Betreiber von Wikipedia, stellt ihnen für den Test rund 50 Gigabyte Inhalt der englischen Wikipedia-Ausgabe zur Verfügung und hat Interesse an einer Zusammenarbeit signalisiert. E-Mail: studer@aifb.uni-karlsruhe.de - Internet: http://www.aifb.uni-karlsruhe.de und http://ontoworld.org

INTERNET: losziehen und einsammeln

Eine Gruppe um Prof. Dr.-Ing. Sahin Albayrak, Informatikprofessor und Leiter des Labors für Verteilte Künstliche Intelligenz (DAI) der TU Berlin, entwickelt jetzt eine lernfähige Suchmaschine, die das globale Wissen im Internet beobachtet und gezielt Inhalte herausfiltert. Die Software besteht aus virtuellen Agenten, "die ständig im Hintergrund agieren und dem Computer melden, wenn sie fündig geworden sind", sagt Sahin Albayrak. "Anders als beispielsweise bei Google müssen Sie nicht extra ein Programm starten und Suchworte eingeben. Die Wissensagenten werden einmal eingestellt, dann schwimmen sie durch den Datenstrom. Sie sind lernfähig und passen sich den Vorlieben der Nutzer an." Darüber hinaus knüpfen sie Kontakte zu Internetnutzern mit ähnlichen Interessen, so entsteht eine Community. Sahin Albayrak präzisiert: "Wir werden die Agenten so programmieren, dass sie auch einen Newsletter zusammen stellen können oder sich mit aktuellen Informationen melden, sobald der Computer des Nutzers hoch gefahren wird." Die Agenten sollen sogar in der Lage sein, die Qualität und den Nutzen einer Information zu bewerten. Die Suchmaschine arbeitet multimodal. Sie wird gezielt nach wissenschaftlichen Texten, aber auch multimedialen Inhalten aus renommierten Quellen wie der ACM Digital Library und IEEExplore suchen. Sowohl die allgemeine Suche als auch die spezifischen Suchwünsche der Benutzer sind anonymisierbar, um unter Wahrung der Privatsphäre Ähnlichkeiten zwischen Wissenschaftlern und damit potenzielle Gemeinschaften zu identifizieren. Im Laufe der Zeit entsteht so eine Community, die mit Hilfe der Agenten in Kontakt treten, Gedanken und Erfahrungen austauschen kann. Darüber hinaus erlaubt die Suchmaschine dem Benutzer, lokal gespeicherte Literatur zu indizieren und - unter Berücksichtigung der Sicherheitsaspekte - ebenfalls zu durchsuchen. Tel. 030-314-24943, Fax -21799, E-Mail: Sahin.Albayrak@dai-labor.de - Internet: http://dai-labor.de

INFORMATIONSTECHNIK: Der Quantencomputer rückt näher

Auf dem Weg zum sogenannten Quantencomputer haben Physiker der Universität Bonn eine weitere wichtige Hürde genommen: Mittels einer "Laserpinzette" ist es ihnen gelungen, bis zu sieben Atome in Reih' und Glied zu sortieren. Die Wissenschaftler haben diesen Vorgang gefilmt. In dem Experiment bremste das Team um Dr. Arno Rauschenbeutel und Professor Dr. Dieter Meschede mehrere Cäsiumatome für eine Dauer von etlichen Sekunden soweit ab, dass sie sich fast nicht mehr bewegten, und lud sie dann auf ein "Förderband" aus Laserstrahlen um. Dabei handelte es sich um eine stehende Lichtwelle aus vielen Bergen und Tälern - vergleichbar vielleicht mit einem Stück Wellpappe. "In welchem Wellental die Atome genau landen, lässt sich leider nicht vorhersagen", erklärt Arno Rauschenbeutel. "Das ist ähnlich, als würde man mehrere Eier aus einer großen Schüssel in einen Eierkarton schütten - in welche Vertiefung sie dabei rutschen, ist Zufall." Um mit Atomen rechnen zu können, muss man sie aber sehr exakt platzieren können. "Sämtliche Atome auf dem Förderband müssen denselben Abstand zueinander haben", skizziert Rauschenbeutel die Herausforderung. Durch Aneinanderreihen von solchen Gatteroperationen könnte man bereits einfache Quantenrechnungen durchführen. Die Bonner Physiker haben daher in ihrem Experiment die Atome auf dem Förderband nachträglich "sortiert". Dazu machten sie zunächst ein Foto, um ihre Positionen festzustellen. Dann setzten sie das Förderband in Bewegung - und mit ihm die in den Wellentälern "eingesperrten" Cäsiumatome. Auf diese Weise transportierten sie die falsch platzierten Atome zu einer "Laserpinzette" - das ist im Prinzip nichts anderes als ein weiteres Förderband aus Laserstrahlen, das zum Transportband senkrecht steht. "Wenn wir nun die Lichtwelle der Pinzette in Bewegung versetzen, können wir damit falsch platzierte Atome vom Transportband heben", erläutert Rauschenbeutel. "Dann fahren wir das Transportband an die gewünschte Stelle und setzen das entfernte Atom dort einfach wieder ein." Nächstes Ziel der Bonner Physiker ist der Bau eines Quantengatters. Dazu wollen sie zwei Cäsiumatome mit Quanteninformation "beschreiben" und dann gemeinsam zwischen zwei winzige Spiegel sperren. Dort sollen sie miteinander wechselwirken, also durch Abgabe und Aufnahme von Fluoreszenzlicht Informationen austauschen. Das wäre der nächste Meilenstein der Bonner auf dem Weg zum Quantencomputer. Tel. 0228-73-3471, E-Mail: Arno.Rauschenbeutel@iap.uni-bonn.de und über presse@uni-bonn.de - Web: http://www.uni-bonn.de/Aktuelles/Presseinformationen/2006/284.html

INFORMATIONSTECHNIK: Verbünde werden gefördert

(270606) Fünf "exzellente" Forschungsverbünde werden im Zuge des "Förderprogramms Informationstechnik Baden-Württemberg" (BW-FIT) neu gefördert. Insgesamt stellt das Land dafür 8,5 Millionen Euro bereit. Bei dreien ist die Universität Tübingen beteiligt: "AmbiSense", "SpoVNet" sowie "Visualisierung auf Gigapixel-Displays": Fünf Tübinger Professoren aus der Informatik mit ihren Arbeitsgruppen machen mit. Ziel des Forschungsverbunds "AmbiSense", an dem die Universitäten Tübingen und Stuttgart mitarbeiten, ist es, Sensoren für die Erfassung von Informationen aus der Umgebung zu entwickeln und sie mit autonomen, mobilen Systemen kooperieren zu lassen. Dabei sollen innovative Mensch-Maschine-Schnittstellen entstehen, bei denen der Mensch zum Beispiel durch virtuelle Einblendungen zusätzlich zu den Wahrnehmungen, die ihm seine eigenen Sinne ermöglichen, Informationen aus der Umgebung erhält. "SpoVNet" (Spontane Virtuelle Netze) ist ein Verbund der Universitäten Karlsruhe (Koordination: Prof. Martina Zitterbart), Mannheim, Stuttgart und Tübingen. Forscher aus verschiedenen Bereichen der Informationstechnik wie Internet, Telekommunikation und Sicherheit wollen die komplexen und heterogen vernetzten Systeme der Kommunikationslandschaft besser integrieren. Dazu werden neue Algorithmen und Protokolle - eben Spontane Virtuelle Netze – erforscht. Im Bereich der Display-Technologien gibt es derzeit rasante Fortschritte. Während heutige Geräte circa zehn Millionen Bildpunkte (Pixel) darstellen können, werden zukünftige Displays in der Lage sein, eine Milliarde Pixel abzubilden. Dieser Detailreichtum übersteigt die Aufnahmefähigkeit des menschlichen Auges. Der Forschungsverbund "Visualisierung auf Gigapixel-Displays" soll Methoden und Techniken zum Umgang mit diesen enormen Datenmengen weiterentwickeln, um die Möglichkeiten, die der Fortschritt in der Hardware-Entwicklung bietet, voll erschließen und sinnvoll nutzen zu können. Tel. 07071-29-70505/-75462 E-Mail carle@uni-tuebingen.de und schilling@uni-tuebingen.de und michael.seifert@verwaltung.uni-tuebingen.de

CeBIT: IT als Schlüssel zum Erfolg

(WWP 140306) Bundesforschungsministerin Annette Schavan und Bundeskanzlerin Angela Merkel wollen die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) stärker fördern. Das verkündeten beide im Umfeld der weltgrößten Computermesse CeBIT in Hannover. Schavan: "Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) wird die Verbundforschung mit industriellen und wissenschaftlichen Partnern erheblich ausbauen. Die Bundesregierung geht in Vorleistung und erwartet von der Wirtschaft ebenfalls eine Steigerung ihrer Aufwendungen für Forschung und Entwicklung." Schwerpunkte der BMBF-Förderung sollten unter anderem die Bereiche Sicherheit und Zuverlässigkeit sein. Hierfür wird Schavan in diesem Jahr ein neues IKT-Forschungsprogramm vorlegen. sagte die Ministerin. Auf der CeBIT werden bereits Ergebnisse der BMBF-Förderung im Bereich "Mensch-Technik-Interaktion" gezeigt. "Erfolgreiche technologische Visionen lösen nicht nur bekannte Probleme besser, sondern befriedigen auch neue Bedürfnisse", sagte Schavan. Im laufenden Informatikjahr solle auch über die Auswirkungen der neuen Technologien auf die Gesellschaft gesprochen werden. Die Teilung der Gesellschaft in "Onliner" und "Offliner" werde unterschätzt. Befunde zeigten, dass weite Teile der Gesellschaft das Datenuniversum immer noch nicht nutzen wollen oder können. Dies betreffe vor allem auch ältere Menschen. Schavan warnte vor diesem Hintergrund vor den möglichen sozialen Folgen einer solchen digitalen Spaltung. Internet: http://www.bmbf.de/de/cebit2006.php

Digitale Spaltungen, Verwerfungen und Inseln mit geringer Nutzung

Prof. Dr. Edgar Einemann vom Fachbereich Informatik/Wirtschaftsinformatik der Hochschule Bremerhaven zeigt in seiner auf der CeBIT vorgestellten Studie erstaunliche Unterschiede in der Internet-Nutzung durch die Bürger Deutschlands auf. Die Untersuchung weist ein starkes digitales Gefälle, deutliche Spaltungen, eine geografische digitale Dreiteilung Deutschlands sowie die wirtschaftliche und soziale Kopplung des Internets nach. Die Internet-Innovationszentren liegen in den deutschen Großstädten. Sie dominieren aber nicht die gesamte Internet-Entwicklung. Sein neuer Ansatz besteht darin, den Begriff 'Internet-Stärke' mit Hilfe eines Modells mit 30 Indikatoren empirisch sowohl nach Sektoren (Produktion, Konsumtion und Rahmenbedingungen des Internets) als auch nach Akteuren (Unternehmen, Privatpersonen, Staat) zu bestimmen. Die Datengrundlage bilden eigene Internet-Recherchen des Wissenschaftlers, vor allem aber Messungen von führenden Internet-Unternehmen (1&1, GMX, ING-DIBA, ebay, CortalConsors, mobile.de, allesklar.de) und Institutionen (DENIC, Statistisches Bundesamt und Hochschulrektorenkonferenz). Insgesamt wird auf über 13.000 Basiszahlen zurückgegriffen. Bisher haben sich Analysen zur Internet-Entwicklung weitgehend auf Befragungen (persönlich, telefonisch, online) und auf sehr wenige gemessene Indikatoren (vor allem Zahl der Telefonanschlüsse, der verfügbaren Computer und der Internet-Zugänge) gestützt. Die Internet-Innovationszentren liegen in den deutschen Großstädten. Sie dominieren aber nicht die gesamte Internet-Entwicklung. So leben in den 50 größten deutschen Städten 26 Prozent der Bundesbürger, aber 66 Prozent der vom IVW gemessenen Seitenaufrufe entfallen auf Inhalte aus diesen Städten; andererseits weicht der Anteil zum Beispiel der E-Mail-Adressen (28 Prozent) und der Domain-Registrierungen (38 Prozent) nur geringfügig ab. München hat mit 82 Prozent der möglichen Punkte die deutsche Internet-Spitzenposition und Mülheim/Ruhr liegt mit 40 Prozent auf dem letzten Rang. Die Analyse auf der regionalen Ebene zeigt nach einer getrennten Betrachtung für Nordrhein-Westfalen (Unterscheidung von "Rhein-Schiene" und "Ruhrgebiet") eine geografische digitale Dreiteilung Deutschlands mit einer starken Stellung des Bereichs Rhein/Süd (Index-Wert 118), durchschnittlichen Werten im Norden und einer besonders schwachen Position im Bereich Ruhr/Ost (Index-Wert 68). Die relativ gute Internet-Position der Ruhrgebiets-Städte Dortmund und Bochum ist allerdings ein Indiz für die Differenziertheit der Situation. E-Mail: edgar@einemann.de - Internet: http://www.einemann.de und http://wwww.hs-bremerhaven.de

Brillanz aus neuem Bildschirm kitzeln

Auf normalen Flachbildschirm kündigt sich eine weitere Revolution an: die High Dynamic Range (HDR) Bilderzeugung. Am Max-Planck-Institut für Informatik in Saarbrücken hat eine Gruppe um Dr. Karol Myszkowski deshalb rechtzeitig mit der Präsentation der neuen Technologie einen HDR-Videospieler entwickelt, der eine optimale Wiedergabe für Videos mit bester Qualität gewährleistet. Bedingt durch die Wahl eines derartigen Verfahrens ist man in der Lage viel besser Bildkontraste, Helligkeit und die Farbintensität zu optimieren, als es mit dem traditionellen Videosignal möglich wäre. Darüber hinaus kann die Bildwiedergabe viel besser mit der Beleuchtung der Umgebung abgestimmt werden, in dem sich das Fernsehgerät befindet. Die Bilder auf den neuen HDR-Bildschirmen sind von einer bisher nicht gekannten Brillanz. Bisherige LCD Monitore geben nur einen Bruchteil dessen wieder, was das menschliche Auge an Lichtnuancen und Abtönungen – auf der Skala von totaler Finsternis bis zum leuchtenden Sonnenlicht wahrzunehmen in der Lage ist. HDR-Techniken erlauben eine weit größere Beleuchtungsbandbreite als normale Bilderzeugungsmethoden. „Szenen in der realen Welt können Helligkeiten umfassen, die vom mondlosen Nachthimmel mit drei hoch minus fünf Candela pro Flächeneinheit bis zu zwei hoch neun Candela reichen“, erläutert Dr. Karol Myszkowski. Candela (cd) ist ein Maß für Lichtstärke. Der in Saarbrücken entwickelte HDR-Kompressionsalgorithmus wurde speziell konzipiert, um selbst solche Szenen zu erfassen, denn er speichert die komplette Farbskala und die volle Beleuchtungsbandbreite. Laut Myszkowski können herkömmliche Kameras die dafür notwendigen Bilder problemlos liefern. Zur optimalen Wiedergabe kann es freilich notwendig sein, ein und dasselbe Objekt mit unterschiedlichen Belichtungszeiten aufzunehmen. Der neue Algorithmus tritt an die Stelle traditioneller Video-Kompressionsverfahren wie MPEG-4. Diese bewahren ein Minimum an Farbinformationen – ausreichend für die Darstellung auf üblichen CRT/LCD-Monitoren. Da High Dynamic Range jedoch das volle, für das menschliche Auge sichtbare Spektrum an Farben erfasst, reichen bisherige Kompressionsverfahren nicht länger aus. Ein erster kommerzielle Vertreter von Wiedergabe-Geräten ist zum Beispiel die kanadische BrightSide Technologies: Die Helligkeit des 37-Zoll-Monitors startet bei 0 Candela und erreicht die Brillanz von 3.000 cd/m2. Tel. 0681-9325-429, Fax –499, E-Mail: karol@mpii.mpg.de (CeBIT, Halle 09, Stand, Stand B 43)