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Nachrichten aus Forschung, Technologie und Entwicklung
Der Informationsdienst "Wissenschaft - Wirtschaft - Politik" (WWP) berichtet kontinuierlich über interessante Entwicklungen an der Schnittstelle zwischen Forschung, Technologie, Entwicklung und Markt. WWP ermöglicht damit, was Politiker und Wissenschaftler immer wieder fordern: den Blick über den Tellerrand. Wenn Sie nicht nur Ihre eigene Disziplin im Blick haben, sondern auch links und rechts des Weges schauen wollen: Mit WWP sind Sie dabei. Ob Medizin und Technik sich zu Medizintechnik verbinden, Biologie und Ingenieurwissenschaften zu Biosensorik, Informationstechnik und Pädagogik zu E-Learning, Werkstoffwissenschaften und Umwelt zu Umwelttechnik, oder ob es darum geht neue Moleküle zu designen, Infrastruktur für Verkehr zu verbessern, die Sonnenenergie für die Dritte Welt zu nutzen, oder Geothermie an den Markt zu bringen: WWP informiert Sie, jede Woche aktuell. Hinzu kommen Hinweise auf wichtige Wissenschaftspreise und Stipendien. Testweise gibt es WWP einmal frei - als PDF-Datei.
Klicken Sie hier auf Anforderung. Die aktuellen Themen der Ausgabe 4_2012 (23. Januar):

EVOLUTION: Mechanismus der ersten Stoffwechselprozesse entdeckt

Wissenschaftler der TU München um Claudia Huber und Wolfgang Eisenreich am Lehrstuhl für Biochemie zeigten im Laborversuch erstmals Mechanismen, mit denen wenige Biomoleküle lawinenartig neue Produkte hervorbringen und so einen selbstexpandierenden Stoffwechsel in Gang setzen können ...

DIAMANTEN: "angesäuerte" Magma als treibende Kraft

Ein internationales Team der Universität München konnte jetzt zeigen, dass mitgerissene Fremdgesteine den nötigen Schwung liefern, damit sogenannte Kimberlite genügend Auftrieb für ihren langen Aufstieg durch die Erdkruste bekommen. Wenn man das weiß, kann man besser Diamantstätten finden ...

KLIMA: Tiefe Temperaturen verstärken Ozonabbau über der Arktis

Ungewöhnlich kalte Temperaturen verursachten im Winter 2010/2011 die bislang massivste Zerstörung der Ozonschicht über der Arktis: Das haben Wissenschaftler des Instituts für Meteorologie und Klimaforschung (IMK) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Alte Bekannte sind am Werk: FCKWs...

HOCHWASSER: "Kombi-Simulation" zeigt Gefahren auf

Die Hochwassergefahr an kleinen und mittleren Flüssen in Deutschland wird auch in den nächsten Jahrzehnten nicht abnehmen, in einigen Fällen sogar zunehmen. Deutlich steigen werden die Starkniederschläge. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Center for Disaster and Risk Management Technology (CEDIM) ...

CHEMIE: superschnelle Kristalle für Wirkstoffe?

Analytische Chemiker um Dr. rer. nat. Franziska Emmerling von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung, Braunschweig, haben eine ungewöhnlich schnelle Kristallisation des blutdrucksenkenden Wirkstoffs Nifedipin beobachtet ...

MEDIZIN: Immunzellen reagieren empfindlich auf "Stress"

Wissenschaftler um Prof. Bernd Kaina, Direktor des Instituts für Toxikologie der Universitätsmedizin Mainz, haben erstmals nachgewiesen, dass bestimmte im menschlichen Blut zirkulierende Zellen des Immunsystems - die sogenannten Monozyten - besonders empfindlich auf reaktive Sauerstoffspezies reagieren ...

HIV entgeht der Immunantwort in Makrophagen

HI-Viren überdauern in Makrophagen, den Fresszellen des Immunsystems. Innerhalb dieser Zellen wird HIV in weitere Organe getragen und gelangt durch die Blut-Hirn-Schranke auch in das menschliche Gehirn und ins zentrale Nervensystem ...

Wie sich der Gehirntumor verrät: durch Marker für Lymphome

In mikroRNAs haben Forscher der Medizinischen Klinik der Ruhruniversität Bochum im Knappschaftskrankenhaus Bochum-Langendreer um Prof. Dr. Roland Schroers und Dr. Alexander Baraniskin jetzt zuverlässige Marker gefunden, die im Liquor vorkommen und einfach zu gewinnen sind ...

WIRTSCHAFT: Reformen haben Mobilität gebremst

Die Flexibilisierungspolitik des vergangenen Jahrzehnts hat nur einen Teil des Arbeitsmarkts in Bewegung gebracht: Bezieher von Arbeitslosengeld I nehmen schneller neue Stellen an. Bereits Beschäftigte sind jedoch verunsichert und wechseln seltener den Job als in früheren Zeiten ...

Beschäftigungschancen Ungelernter nicht verbessert

Ungelernte Erwerbstätige sind im Vergleich zu ausgebildeten Fachkräften deutlich häufiger in geringfügigen und damit zumeist auch in prekären Beschäftigungsverhältnissen anzutreffen. Ihre Erwerbstätigkeit konzentriert sich zudem auf nur wenige Berufsfelder ...

BIORHYTHMUS: Wenn die Nacht zum Tage wird

Eine Studie an der Pädagogische Hochschule (PH) Heidelberg mit mehr als 1.500 Schülern in der Metropolregion Rhein-Neckar stützt jetzt die These, dass die sogenannte Lichtverschmutzung, also die Beleuchtung der Städte und Gemeinden, Jugendliche immer länger wach bleiben lässt ...

KOMMENTAR: Kommt jetzt der Nachbau des Gehirns?

Physiker der Universität Bielefeld um Dr. Andy Thomas haben jetzt gezeigt, dass eine neue Sorte von mikroskopisch kleinen Elektronikbauteilen - die sogenannten Memristoren - in der Lage ist, wesentliche Eigenschaften von natürlichen Nerven zu imitieren. Damit bestätigen die Forscher die Annahme, dass Memristoren zum Bau künstlicher Gehirne und Nervensysteme genutzt werden können.

Selbst Superrechner sind nicht so effizient wie das menschliche Gehirn. Weltweit versuchen Wissenschaftler daher, Nervenzellen künstlich nachzubauen, um zu verstehen, wie Gehirne arbeiten, und um künftig leistungsfähigere Computer bauen zu können. Memristoren gelten in der Elektrotechnik als neue Hoffnungsträ-ger. Erst 2008 wurde der erste Memristor entwickelt, obwohl er theoretisch schon in den frühen Siebzigern erdacht wurde. Bauteile dieser Art bestehen zum Beispiel aus Drähten in Nanogröße. Diese Nanodrähte leiten Strom unterschiedlich stark. Wie gut sie leiten beziehungsweise wie stark ihr Widerstand ist, das hängt unter anderem davon ab, wie stark der Strom war, der in der Vergangenheit durch sie geflossen ist und wie lange dieser Strom auf sie einwirken konnte. Das ist die Besonderheit eines Memristors: Er lernt und merkt sich seine "Geschichte" - und das auch dann, wenn der Strom abgeklemmt ist. Die entscheidende Parallele: Ein Memristor funktioniert so ähnlich wie ein "Bauteil" im menschlichen Gehirn, über das die Nervenzellen miteinander in Kontakt treten: die Synapse. Auch diese "Brücke" zwischen den Nervenzellen wird stärker, je öfter sie beansprucht wird: Wenn eine Nervenzelle eine andere Nervenzelle langandauernd und wiederholt erregt, dann verändert sich dadurch die Synapse und die Übertragung des Signals wird effizienter. Wissenschaftler wollen die Ähnlichkeit zwischen Synapsen und Memristoren zum Beispiel nutzen, um Computer zu konstruieren, die ähnlich schnell und stromsparend wie das menschliche Gehirn arbeiten. Ein erster Schritt zu solchen künstlichen neuronalen Netzen ist dem Bielefelder Experimentalphysiker Privatdozent Dr. Andy Thomas und seinen Mitarbeitern Dr. Patryk Krzysteczko und Jana Münchenberger zusammen mit Professor Dr. Günter Reiss gelungen. Sie stellten nicht nur fest, dass Memristoren wie Synapsen reagieren können - sie fanden außerdem heraus, dass sie ähnliche Eigenschaften wie die feuernden Nervenzellen aufweisen. Die Bielefelder Entwicklung kann im wahrsten Sinne elektrisieren, zeigt sie doch, wie das Verstehen des menschlichen Gehirns zum Nachbau anregt - und der Nachbau möglicherweise auf dieses einwirken kann. 

Copyright © Ulrich Schmitz, Wissenschaftsjournalist, Bonn